ALEXIUS HUBER und seine glänzenden Metalle und transparenten Glasmembranen
von Oscar Reutersvärd

Alexius Huber gehört zu den rechtgläubigen Erben des grossen, europäischen Konstruktivismus in unserem Lande. Bei der Bildung einer schönen, selbständigen Welt als wichtiges Komplement zu unserem Alltag weicht er nicht einen Millimeter von den Richtlinien dieser Bewegung ab.

Darum halten sich die Konstruktivisten für eine zum Fach der Erfinder gehörende Spezialgruppe. Mit ihrer Formgebung wollen sie unsere Erlebnissphäre erweitern und sie mit künstlerischen Innovationen bereichern.

Hier hat Alexius Huber im Laufe der Jahre eine grosse Zahl von eigenen Neuschöpfungen, eigenen illustren Kunstwerken, zu verzeichnen gehabt. Von starker und echter Inspiration getrieben, hat er in seiner Experimentwerkstatt nach wissenschaftlichen Richtlinien gearbeitet. Seit 1960 ist er bei der Verwirklichung seiner erstrebten Bildideen methodisch in die Tiefen der Problemwelt eingedrungen. Er hat in erster Linie als ein Erforscher des Sehens agiert und mit Hilfe seiner glänzenden Metalle und lichtdurchlässigen Glasfabrikate lange Experimentserien durchgeführt. Bei diesen Versuchen ist es ihm gelungen, noch nie dagewesene Blickschauspiele hervorzubringen, beispielsweise in Form von lichtschimmernden Spiegeleffekten von beweglichen, von Elektromotoren angetriebenen Kompositionselementen - manchmal auch durch Lauteffekte ergänzt.

Neben dieser kreativen Wirksamkeit ist er auch mit psychologischen Versuchen beschäftigt, d.h. Beobachtungen der Wirkung seiner Konstruktionen auf den Betrachter. Dies gilt ihm als logischer Teil seines Künstlerberufes. Und hier kontrolliert er, dass die wirksamen Kräfte seiner Arbeiten auf den Betrachter überspringen und ihren Einfluss auf ihn auslösen.

Mit der Majorität der Konstruktivisten teilt Alexius Huber die Ueberzeugung, dass ihre Wirksamkeit eine soziale Bedeutung hat. Er betrachtet seine Arbeit nach gesellschaftsnützlichen Aspekten und hält sich selbst für einen Mitwirkenden an einer Verwandlung unserer Welt in positiver Richtung. Das Ziel ist eine Gesellschaft der Zukunft, deren Lebensweise von menschenfreundlichen Prinzipen gesteuert wird und zu der die konstruktivistische Kunst als selbstverständlicher, geistiger Bestandteil gehört.

Von diesem Gesichtswinkel aus wird das richtige Wesen des Konstruktivismus erläutert. Er ist oft als kaltsinnige Ingenieursdivision der Kunst des 20. Jahrhunderts missverstanden worden. In Wirklichkeit ist er eine sensible, geistige Richtung der Malerei und Skulptur, die den Menschen mit ihren Werken seiner physischen Existenz entrücken und in die sublime Welt der reinen Kunst führen will. Seine Experimente sind darauf ausgegangen, Formkonstellationen zu finden, die den Betrachter fesseln und verhexen und seine Augen mit hypnotischer Kraft im Bild festhalten.

Daher ist es am richtigsten, Alexius Hubers Kompositionen als eine Art Meditationsobjekt zu betrachten. Beim richtigen Kontakt mit seinen Werken kann sich der Betrachter einem ruhigen, reinen und genussreichen Formerlebnis hingeben.

Oscar Reutersvärd. Professor der Institution für Kunstwissenschaft an der Universität in Lund, Schweden 1980